Was macht ein/e Politiker/in bevor und nachdem er/sie Politiker/in ist?

Um überhaupt für ein Mandat oder Amt aussichtsreich kandidieren zu können ist es in der Regel notwendig, dafür von einer Partei als Kandidat nominiert zu werden. Hierfür muss man die Parteimitglieder von seinem Vorhaben überzeugen und sich unter Umständen bei internen Wahlen gegen Konkurrenten aus der Partei durchsetzen. Neben rhetorischen Fähigkeiten und sicherem Auftreten in der Öffentlichkeit sind hierbei fachliche Qualifikation, politische Vorerfahrung und eine längere Parteimitgliedschaft von Vorteil. Letztere erhöht das Vertrauen der Mitglieder und bereitet einen langfristig vor. Jedoch ist eine Parteimitgliedschaft kein Ausschlusskriterium. Auch eine gute Ausbildung oder erhöhter wirtschaftlicher Erfolg können die Attraktivität eines Kandidaten steigen lassen.

Der nächste Schritt besteht aus einem erfolgreichem Wahlkampf. Dafür investieren Kandidaten oft neben ihrer zu diesem Zeitpunkt noch ausgeübten beruflichen Tätigkeit innerhalb eines bis zu einem halben Jahr andauernden Zeitraums ein großes Zeitpensum in Podiumsdiskussionen, Infostände in Innenstädten, Unternehmensbesuche, das Verteilen von Werbematerial und Interviews in verschiedenen Medien. Weil Parteien in Deutschland nur begrenzte finanzielle Möglichkeiten haben fällt zudem ein großer Anteil der Kosten für Plakate und andere Werbematerialien auf den Kandidaten zurück.

Wenn man bedenkt, dass von den 6 Parteien in jedem der 299 Wahlkreise bei der Bundestagswahl ein Kandidat antritt, zeigt sich auch, dass bei momentan nur 709 Bundestagsabgeordneten viele Kandidaturen erfolglos bleiben. Dennoch kann eine aussichtslose Kandidatur auch dabei helfen, die persönliche Bekanntheit bei den Wählern für kommende Wahlen zu erhöhen und erste Erfahrungen zu sammeln.

Eine erfolgreiche Kandidatur ermöglicht dafĂĽr einen fĂĽr viele Menschen vergleichsweise interessanten Berufswechsel auf begrenzte Zeit. Es ist zwar stark von der Partei und der politischen Entwicklung abhängig, ob Mandate und Amtszeiten erneuert werden können, jedoch stehen einem ehemaligen Abgeordneten oft auch selbst nach nur einer Legislaturperiode ohne Wiederwahl aufgrund der starken Vernetzung als Politiker andere attraktive Möglichkeiten der beruflichen Betätigung offen, wie z.B. die Arbeit in der Parteistiftung, in Ministerien und anderen politischen Institutionen oder auch Ă„mter in der eigenen Partei oder höhere Verwaltungsämter von Unternehmen. Somit ermöglicht die Politik vielen Menschen im mittleren Alter, sich beruflich nochmal neu auszurichten, auch im Nachhinein. Ehemalige Abgeordnete erhalten im Alter eine Abgeordnetenrente vom Staat. Scheidenden Amtsinhabern höherer Ă„mter, wie dem Bundespräsidenten, stehen vergleichsweise sehr hohe Pensionen (im Falle des Bundespräsidenten „Ehrensold“ genannt) zu.

Je nach ursprünglichem Beruf ist es für unterschiedliche Kandidaten mehr oder auch weniger kompliziert, zeitweise in die Politik zu wechseln. So zeigt sich z.B., dass ein überproportionaler Anteil der Berufspolitiker ehemalige Juristen, Lehrer, Hochschulprofessoren, Selbstständige oder Beamte sind, da diese Berufe sie mit einer erhöhten Flexibilität ausstatten, während es einfachen Angestellten von freien Wirtschaftsunternehmen eher schwerfällt, 5 Jahre Pause zu machen, da diese Arbeitgeber den Wiedereinstieg oft erschweren.