Das Alltagsleben eines Politikers /einer Politikerin

Mandatsträger – Legislative

Entgegen der häufigen Annahme besteht die Arbeit von Mandatsträgern vornehmlich nicht aus dem Halten von Redebeiträgen im Plenarsaal des jeweiligen Parlaments. Daher sind z.B. im Bundestag selbst in den Sitzungswochen, welche im etwa nur 1/3 des Jahres ausmachen ein kleiner Anteil der Abgeordneten während der Sitzung anwesend. Oft sind dies die Abgeordneten der jeweiligen Parteien, die für das aktuelle Thema zuständig sind. Da sich die Fraktionen vor Abstimmungen oft auf ein einheitliches Abstimmungsverhalten einigen kommt Reden in den meisten Versammlungen eher eine symbolische Rolle zu. Nur äußerst selten ändern Mandatsträger dadurch ihr Abstimmungsverhalten.

Ein weit größerer Teil der Arbeitszeit fließt in die Vorbereitung von Anträgen mit inhaltliche Forderungen (z.B. die Senkung des Wahlalters) sowie Anfragen, durch welche sich die Abgeordneten über gewisse Sachlagen informieren können (z.B. wie viel Kurzarbeitergeld im vergangenen Monat abgerufen wurde). Bei der Ausformulierung von Anträgen und Anfragen, ebenfalls wie auch bei der Beantwortung von E-Mails und anderen Aufgaben stehen Mandatsträgern Mitarbeiter zur Seite. Die Anzahl der Mitarbeiter ist von Parlament zu Parlament unterschiedlich und orientiert sich am Umfang der Aufgaben.

Andere Tätigkeiten von Mandatsträgern sind die Teilnahme an Ausschusssitzungen, Delegationsreisen ins Ausland, Termine im Wahlkreis wie z.B. Unternehmensbesuche oder auch andere Politische Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen.

Abgeordnete pendeln sehr oft zwischen dem Ort des Parlaments und ihrem Heimatwahlkreis. Weil Wahlausgänge nur schwer vorhersehbar und planbar sind übernehmen Mandatsträger für ihre Partei/Fraktion z.B. durch die Mitgliedschaft in Ausschüssen häufig auch Themenbereiche, mit welchen sie sich zuvor noch nicht umfangreich beschäftigt haben (ein Landwirt z.B. als Fraktionssprecher für Immobilienwirtschaft). Schließlich muss eine Fraktion zu jedem Themenbereich einen Ansprechpartner benennen. Je nachdem kann das als Chance oder zusätzliche Belastung angesehen werden. Die jeweiligen Angestellten helfen dem Abgeordneten, sich passend auf die ihm fachfremden Themen vorzubereiten.

Amtsinhaber – Exekutive

Amtsinhaber wie Oberbürgermeister und Ministerpräsidenten stehen an der Spitze der jeweiligen Verwaltung, weshalb ihnen vor allem auch repräsentative Funktionen zugeordnet werden. Dies sind die Teilnahme an übergeordneten Versammlungen wie dem Städtetag beim Bürgermeister, dem Bundesrat beim Ministerpräsidenten oder auch dem G20-Gipfel bei der Bundeskanzlerin. Amtsinhaber haben oft nur einen groben Überblick über einzelne Themen. Oberbürgermeister haben beigeordnete Bürgermeister für bestimmte Verwaltungsbereiche (z.B. Verkehrsinfrastruktur). Regierungschefs haben dafür Minister.

Da Minister ganzen Ministerien und Bürgermeister ganzen Dezernaten vorstehen, können und müssen sie die meiste Arbeit an die untergeordneten Mitarbeiter weitergeben. Auch sie haben daher eher repräsentative Aufgaben und treffen richtungsweisende Entscheidungen. Bürgermeister kleiner Städte sind in der Regel näher dran am Tagesgeschäft der örtlichen Stadtverwaltung.

Auch wenn man auf die Gehälter von Spitzenpolitikern Einladungen, Geschenke und die Übernahme von Fahrtkosten anrechnet bewegen sich diese in einem im Verhältnis zur Bekanntheit der Personen eher niedrigen Rahmen. So verdient Angela Merkel als Bundeskanzlerin 2021 knapp 420.000€ im Jahr, was nicht einmal der Hälfte des Gehalts von Philipp Hofmann als 2. Bundesligaspieler vom Karlsruher SC entspricht. Dafür aber können sie die Politik über einen längeren Zeitraum maßgeblich mitbestimmen und erhalten einen detaillierten Einblick in Bereiche des Staats, die einem normalen Bürger verwehrt bleiben.

Parteiämter

Die Aufgaben einzelner Parteiämter werden von jeder Partei etwas anders festgelegt. Jedoch gibt es typische Aufgabenfelder wie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Verwaltung der Finanzen, Wahlkampforganisation. Übergeordnete Amtsinhaber wie etwa Parteivorsitzende übernehmen vor allem repräsentative Aufgaben, z.B. die Teilnahme an Podiumsdiskussionen. Bei parteiinternen Ämtern gibt es deutlich weniger Schnittpunkte mit Angehörigen anderer Parteien. Stattdessen spielt die Vernetzung mit Partnerorganisationen und Vorfeldorganisationen wie den Jugendverbänden (z.B. Junge Union) oder aber auch den parteinahen Stiftungen (z.B. die Friedrich-Naumann-Stiftung bei der FDP) eine wichtige Rolle.

Im Gegensatz zu öffentlich gewählten Mandatsträgern und Amtsinhabern werden die Gehälter von Parteiämtern und Parteimitarbeitern nicht direkt vom Staat, sondern von den Parteien selbst gezahlt. Daher variieren sie zwischen Parteien und oft auch zwischen Regionalverbänden dieser. Neben Mitgliedsbeiträgen und Parteispenden erhalten Parteien jedoch zumindest auch Zuschüsse vom Staat.